Die Jutetasche locker auf der Schulter und die Nerdbrille auf der Nase, so geht er aus. Berlin, Samstag Nacht.
Er ist 27. Ein gutes Alter, aber ach, könnte die Zeit nicht stehenbleiben? Dann würde er immer 27 bleiben und müsste nicht so recht erwachsen werden. Ich meine, ja klar ist er schon groß. Aber so richtig ein großes Selbst, mit Selbstbewusstsein und allem Drum und Dran, das muss noch her.
Ganz schön lässig
Erst gestern war er beim Frisör. Franzi hatte noch gesagt: „Die Frisur sähe toll an dir aus, so richtig fresh!“. Jetzt steht er vor dem Spiegel und streicht sich den schiefen Pony aus dem Gesicht. Es sollte anders aussehen, so hatte er sich das nicht vorgestellt. Trotzdem erkennt er sich im Spiegelbild wieder, sieht so anders aus, aber genau das ist er ja – ein Anderer.
Die Jutetasche locker auf der Schulter und die Nerdbrille auf der Nase, so geht er aus. Berlin, Samstag Nacht. Die anderen gehen zum Poetry-Slam - er geht mit. Danach wird getanzt, aber nicht zu wild. Lässig und etwas unbeteiligt soll es aussehen. Als tanze er nur für sich. Und er fühlt sich gut, richtig gut, mit jedem Glas immer besser.
I love Hipster
Bevor die Rothaarige ihn
antanzen kann geht er von der Tanzfläche. Sie hatte ihn schon die ganze Zeit so
angeschaut. Sie will was. Aber er will nicht. Er will jetzt heim gehen und
schlafen. Mit der Kippe in der Hand geht er aus dem Club, die Hand kurz zum
Abschied gehoben und weg ist er. Vor seiner Haustür bleibt er kurz stehen. Er
will ins Bett. Er zögert, weil er weiß, alles wird sich drehen und er wird
denken: Es geht nicht besser.
Oder: Es wird nicht besser.